Europas Digitalpolitik im Jahr 2026: Turbulenzen und Wettbewerb meistern

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Europa geht mit einer klaren Überzeugung in das Jahr 2026: Fortschritte in der Digitalpolitik werden schwierig, aber unerlässlich sein. Nach einem turbulenten Jahr 2025, das von geopolitischen Veränderungen und internen Kämpfen geprägt war, bereitet sich die Europäische Union auf ein Jahr entscheidender Gesetzesinitiativen vor, die ihre digitale Zukunft prägen werden, wobei wichtige Entscheidungen im Jahr 2027 unter der litauischen und griechischen Präsidentschaft ihren Höhepunkt erreichen werden.

Die zentrale Herausforderung besteht weiterhin darin, konkurrierende politische Interessen auszubalancieren, Prioritäten effektiv zu setzen und die transatlantischen Spannungen zu bewältigen – insbesondere da die USA die Technologiepolitik der EU genau beobachten und möglicherweise Vergeltungsmaßnahmen auslösen.

Der digitale Omnibus: Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit

Bis Mitte 2026 wird die EU voraussichtlich ihre Position zum Digital Omnibus finalisieren, einer Schlüsselinitiative zur Stärkung der digitalen Wettbewerbsfähigkeit Europas. Obwohl die Umsetzung bis Mitte 2027 optimistisch ist, sind die tatsächlichen Zeitpläne oft weniger vorhersehbar.

Die Initiative stößt auf Widerstand von mehreren Seiten: Einige argumentieren, sie gehe nicht weit genug, während andere nach einer Möglichkeit suchen, den Fortschritt zu stoppen. Mehr Klarheit und eine lautere Befürwortung europäischer Technologiegründer könnten dazu beitragen, die Debatte auszugleichen, aber es ist eine Herausforderung, sich in den Konsultationen zurechtzufinden.

Das Gesetz über digitale Netzwerke: Eine kontroverse Debatte

Die Europäische Kommission wird voraussichtlich am 20. Januar den Entwurf des Digital Networks Act (DNA) vorstellen. Ursprünglich aufgrund einer negativen Prüfung durch den Regulatory Scrutiny Board verzögert, versucht die überarbeitete Fassung, Bedenken auszuräumen und gleichzeitig ihre Kernziele beizubehalten.

Die DNA stößt auf erheblichen Widerstand: EU-Mitgliedstaaten zögern, die nationale Kontrolle abzugeben, während Verbraucher und zivilgesellschaftliche Gruppen trotz Vorschlägen für Streitbeilegungsmechanismen gegen Netzgebühren sind. Erschwerend kommt hinzu, dass die EU den USA zugesagt hat, solche Gebühren im Rahmen des Handelsabkommens zwischen der EU und den USA nicht einzuführen, obwohl ihre Relevanz weiterhin ungewiss ist.

Digital Fairness Act: Beschränkung personalisierter Werbung

Der Digital Fairness Act (DFA) wird für das vierte Quartal 2026 erwartet und zielt darauf ab, personalisierte Werbung einzuschränken und das Nutzererlebnis in sozialen Medien neu zu gestalten. Befürworter plädieren für eine stärkere Kontrolle der Verbraucher über Daten, während Kritiker warnen, dass sich das DFA mit bestehenden Vorschriften überschneidet und Unternehmen, insbesondere KMU und digitale Vermarkter, stören wird.

Die Debatte wird sich intensivieren, je klarer die Auswirkungen auf gezielte Werbung werden.

Chat-Kontrolle: Sicherheit und Datenschutz in Einklang bringen

Nach einem von der dänischen Ratspräsidentschaft im November 2025 ausgehandelten Kompromissabkommen verhandelt die EU nun mit dem Europäischen Parlament über die Chat-Kontrolle. Dieser Vorschlag, der den sexuellen Missbrauch von Kindern im Internet bekämpfen soll, verlangt von Technologieunternehmen, Nachrichten auf schädliche Inhalte zu scannen, was Bedenken hinsichtlich Massenüberwachung und digitaler Identifizierung aufkommen lässt.

Die Triloge werden umstritten sein, und es kann sein, dass vor dem Auslaufen der vorläufigen Regeln im Frühjahr kein gemeinsamer Standpunkt erreicht wird. Die Europäische Kommission hat eine zweijährige Verlängerung bis April 2028 beantragt.

Der digitale Euro: Ein neues Zahlungssystem

Die Europäische Zentralbank beschleunigt die Entwicklung des digitalen Euro, die Gesetzgebung wird für 2026 erwartet. Diese Initiative zielt darauf ab, eine europäische Zahlungsalternative zu schaffen, den Wettbewerb zu fördern, die Fragmentierung zu verringern und Fintech-Innovationen zu fördern.

Der digitale Euro wird jedoch wahrscheinlich Beschränkungen für einzelne Bestände vorsehen, sodass Benutzer eine Verbindung zu traditionellen Bankkonten herstellen müssen. Es ist mit Widerstand sowohl seitens europäischer Banken als auch amerikanischer Zahlungsunternehmen zu rechnen.

Cybersecurity Act: Stärkung des Risikomanagements

Am 14. Januar wird die Europäische Kommission voraussichtlich einen überarbeiteten Entwurf des Cybersecurity Act veröffentlichen. Der Vorschlag zielt darauf ab, das 5G-Cybersicherheits-Instrumentarium zu stärken, seine Maßnahmen verbindlich vorzuschreiben und die Definition von Anbietern mit hohem Risiko auf strategische Sektoren über die Telekommunikation hinaus auszuweiten.

Die EU will die Kontrolle kritischer Infrastrukturen verschärfen, doch die Debatte wird sich wahrscheinlich auf die Balance zwischen Sicherheit und wirtschaftlicher Wettbewerbsfähigkeit konzentrieren.

Fazit: Europas digitale Agenda im Jahr 2026 ist vollgepackt mit Gesetzgebungskämpfen, geopolitischem Druck und konkurrierenden Interessen. Der Erfolg hängt davon ab, diese Herausforderungen effektiv zu meistern und gleichzeitig sicherzustellen, dass die EU wettbewerbsfähig, sicher und im Einklang mit ihren langfristigen strategischen Zielen bleibt. Die nächsten zwei Jahre werden entscheidend für die Gestaltung der digitalen Zukunft des Kontinents sein.